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Die gute alte Diana |
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Grüß Euch, darf ich mich vorstellen ..., ich heiße Diana, bin nicht mehr die Jüngste, aber immer noch recht fit. Früher, ja da kam mir kein Schütze aus, denn ich war die Einzige. Mein Platz war immer mitten in der Gaststube. Geschossen haben sie fünf Schuss und zwar von der Gaststube in das Nebenzimmer. Was hab ich oft gelacht, wenn ich den zitternden Zieler hinten neben der Scheibe sitzen sah. Manchmal lief es mir selber heiß und kalt den Gewehrlauf runter, wenn der nervöse Schütze der mich gerade in Händen hielt von den Anwesenden genau beobachtet und angefeuert wurde. Jetzt ist alles ganz anders! Ich friste mein Dasein im dunklen Gewehrschrank. Dass ist ja auch kein Wunder, mit diesen neuen super eingebildeten Pressluftgewehren, die meinen ja wirklich, sie schießen besser, als wir Alten. Aber so ist sie halt, die Jugend. Bei mir musste der Schütze, um mich zu laden, sich noch bemühen meinen Lauf abzuknicken. Die faulen Gewehre von heute lassen sich nur noch von ihren Schützen die Kartuschen mit Pressluft auffüllen um genug Druck zu haben. Aber wenn mal eine Schraube locker ist, dann geht ihnen sofort die Luft aus. Da lob ich mir doch meinen Knicklauf, bei dem höchstens mal die Schützenkraft versagen kann. Als Oldie unter den Gewehren habe ich ja schon viel gesehen, aber was heute so abläuft, ist mir unerklärlich. Mehr Geduld brauchen die Gewehre von heute schon, denn bis sich ein Schütze komplett angezogen hat, vergeht locker mal eine halbe Stunde. Zuerst packt er seine Riesentasche aus. Was da alles zum Vorschein kommt!
Ich kann da gar nicht hinsehen, er steht ja fast ganz nackig da. Er zieht
sich eine lange Unterhose und einen Rolli an. Dann werden die Schießschuhe,
die eine ganz gerade Sohle haben, angezogen. Seine Straßenschuhe
packt er wieder in die Tasche, da es in Schützenkreisen schon öfter
vorgekommen ist, dass nicht weggeräumte Schuhe auf Lampenschirmen
oder bei mir im Schrank wiedergefunden wurden Jetzt muss er daran denken, dass er sich nach dem Anziehen der starren Schießhose nicht mehr bücken kann und es ist schon öfters bei diesem Versuch zu leichten Gleichgewichtsstörungen mit Stürzen gekommen. Bevor er sie zumacht, überlegt er noch mal, ob er nicht noch einen Weg zu erledigen hat. So, das Schwierigste ist geschafft, nun noch in die steife Schießjacke, bei der er manchmal die Hilfe anderer Schützen nötig hat, um sie zu schließen. Wie schön kuschelig ist doch die gute alte Lodenjoppe oder der Wolljanker, da fühlt man sich so richtig wohl. Es fehlt nur noch das Käppi mit den Scheuklappen und die Ohrenstöpsel, der Handschuh, die Schießbrille, die Kugeln und natürlich das Gewehr. Mit allen Utensilien ausgestattet, macht er sich auf den Weg zum Schießstand, jetzt kann ich ihm nur noch wünschen, dass an seinem Stand in der Zwischenzeit nicht ein Schütze mit der Lodenjoppe steht, denn die sind da ja viel schneller. Sind die 40 Schuss dann endlich draußen, sitzt der „normale“ Schütze schon beim zweiten Getränk, bis der High-Tech-Schütze seine ganze Ausrüstung ausgezogen und wieder verstaut hat. So, jetzt wisst ihr wie es heute so bei einem Schießabend zugeht. Einmal im Jahr darf ich aus dem Schrank, zum Dorfkönigschießen, weil bei diesem Andrang ist jedes Gewehr gefragt. Und mich freut`s, wenn ich meine alten Spezln von früher treffe, die mit mir noch das Schießen gelernt haben. Und bei diesem Schießen darf ich wieder so manchen Holzschuss krachen lassen, was mir auf meine alten Tage richtig Spaß macht. Ich muss schon sagen, es hat sich Vieles geändert, aber eins ist noch immer gleich: zielen muss der Schütze und nicht das Gewehr. Eure Diana Knicklauf |
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